Firmenportrait

Firmenportrait

Die Waffenfabrik HEYM in Gleichamberg, Thüringen

Nichts ist in der heutigen Gesellschaft so umstritten, wie das Handwerkszeug des Jägers, die Jagdwaffe. Postulieren die Jagdgegner, es sei ein Mordinstrument zum Befriedigen archaischer Gelüste des Jägers, sehen es andere als reines Werkzeug um einem gesellschaftlichen Auftrag zu entsprechen und wieder andere sehen darin reine Handwerkskunst, Dritte sehen eine Verbindung dessen zu einem praxisorientierten Gesamtkunstwerk. Nun, einigen wir uns darauf, dass eine Jagdwaffe zum wichtigsten Handwerkszeug des Jägers gehört, welches den technischen Entwicklungen der Zeit geschuldet auch Wandlungen und Weiterentwicklungen unterworfen wurde. Bei seiner Herstellung ist bis heute ein hohes Maß an handwerklichem Können verschiedener Handwerkszweige erforderlich. Gleichermaßen erfordern Jagdwaffen bei ihrer Herstellung deutlich mehr komplexes Fachwissen in Fragen Metall- und Holzbearbeitung bis hin zu kunsthandwerklichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, als dies bei jeder anderen Waffenart benötigt wird. Wahre Spezialisten des Baus hochwertiger Jagdwaffen waren und sind schon immer eine kleine Klientel, die man suchen muss und die an wenigen Orten dieser Welt so lange Traditionen besitzen, wie hier bei uns in Thüringen. Hier werden nicht nur hervorragende und weltweit gesuchte Büchsenmacher, Schäfter und Graveure ausgebildet, nein, hier gibt es bis heute Hersteller von Jagdwaffen, die sich so ganz ohne große und kostenintensive Werbung allein durch Qualität, Zuverlässigkeit, technisches Know how und handwerkliche Gestaltung weltweit einen Namen gemacht haben, der auch dazu beiträgt, die verschiedenen Handwerkskünste am Leben zu erhalten und auch langfristig Arbeitsplätze zu sichern.

Speziell unter Großwildjägern Afrikas, aber zunehmend auch hier in heimischen Gefilden hat sich die Firma Heym einen derart guten Ruf erarbeitet, dass man ohne zu übertreiben sagen kann, dass hier die Suhler Schule in den besten Händen liegt und im Rahmen einer Manufaktur weiter in die Zukunft geführt wird. 1865 in Suhl gegründet, spezialisierte sich HEYM von Anfang an auf den Bau von hochwertiger Jagdwaffen und legte und legt Wert auf den direkten Kontakt zum Kunden. So spart man sich aufwendige Werbemaßnahmen und lässt lieber Qualitätsarbeit und entsprechende Mundpropaganda wirken und überzeugen. Das ist ehrlich und schafft Vertrauen, welches auch durch zufriedene Kunden gern honoriert wird. Die Berücksichtigung individueller Wünsche und die enge Zusammenarbeit zwischen Handwerker und Kunden gestattet es, beides in Einklang zu bringen und so Unikate entstehen zu lassen, die Generationen überdauern können, ohne an Wert zu verlieren. Während einer fachkundigen Betriebsführung durch Herrn Christian Kick konnten wir uns vom hohen Anteil reiner Handwerksarbeit bei der Fertigung des aktuellen Sortiments überzeugen. Egal, ob bei der Fertigung thermostabiler Doppelbüchsen in diversen Großwildkalibern und anderer kombinierter Waffen, wie Bockbüchsen und Bergstutzen, bei der Herstellung des „Express-Repetierers“ für die Großwildjagd mit Magnum-Systemen ala Mauser oder bei modernen Repetierbüchsen wie SR 21 und dem Geradezugrepetierer SR 30, der Bau einer jeden dieser Jagdwaffen beginnt mit der Herstellung eines Laufes aus einem 71 cm langen Stück Spezialstahl. Nach entsprechenden überkalibrigen Tieflochbohrungen und Fräsarbeiten wird das Material bei gleichzeitiger Einbringung von Zügen und Feldern durch Bearbeitung in einer Hämmermaschine weiterbearbeitet und nochmals verdichtet. Bereits hier wird der Grundstein für die spätere Präzision der Läufe gelegt. Die in der Kategorie „precision“ gefertigten Läufe werden dabei mit engsten Toleranzen gefertigt. Dies sichert später Streukreise von unter 20 mm auf 100 m Schussentfernung. Mittels verschiedener Reibahlen erfolgt dann die Einbringung der Patronenlager. Der nun fast fertige Rohlauf wird anschließend durch einen absoluten Spezialisten mittels Augenmaß vom Rohrrichter gerade gebogen, so dass dessen Innenmaß perfekt stimmt. Ist die Laufseele gerade, erfolgt die Außenbearbeitung und endgültige Formgebung durch Abdrehen. Mehrere zwischenzeitliche Messvorgänge sichern dabei die spätere Qualität. Läufe für Drillinge und Doppelbüchsen werden anschließend durch den Rohrmacher mit Laufhaken, Visierschiene und Sichtblenden „verheiratet“. Diese hohe Kunst des Rohrmachers schafft jetzt die Voraussetzung für ein späteres Zusammenschießen der Läufe auf einen Punkt. Alle für die Systemherstellung benötigten Metallteile werden auf hochwertigen CNC-Fräsen vorgefertigt, anschließend poliert und letzten Endes sauber zusammengesetzt. Bei der Schaftherstellung konzentrierte sich HEYM bei vor wenigen Jahren auf klassisches Nussbaumholz der verschiedensten Qualitäten. Inzwischen kann der Kunde aber auch neben Schichtholzschäften dem Zeitgeist folgend für die Repetierbüchsen SR 21 und SR 30 Kunststoff- und Karbonschäfte ordern. Eine individuelle Anpassung und Gestaltung nach Kundenwunsch ist auch hier möglich. Die Schäfte der Repetierbüchsen erhalten eine handgelegte Bettung, Systemteile der Doppelbüchsen werden bündig in die Schäfte eingepasst. Auch bei den Schäften sind Veredelungen durch Schaftverschneidungen ebenso möglich, wie die Veredelung aller Metallteile mit aufwändigsten Gravuren der besten Künstler auf diesem Gebiet. Die Handpolitur aller zusammengefügten Systemteile, sauberste Passungen aller Übergänge zwischen Metall und Holz sind es, die sehr schnell wahre Handwerksarbeit von diversen Maschinenfertigungen unterscheiden.
Sind alle Teile einer Jagdwaffe zusammengefügt, folgt auf dem Hausinternen Schießstand das Einschießen und die Suche nach der optimalsten Munitionssorte der ausgewählten Kaliber. Besonders spektakulär ist dies natürlich bei den Doppelbüchsen in den starken Großwildkalibern. Hier trennt sich letzten Endes im Vergleich zwischen Handwerkskunst und Großserieller Fertigung die Spreu vom Weizen. Bei Heym werden die Laufbündel auf eine dem Kundenwunsch entsprechende Laborierung solange abgestimmt, bis dies nach Meinung der Experten, die dabei sehr hohe Ansprüche an die von ihnen gefertigten Waffen setzen, zufriedenstellend gelöst ist. Dazu müssen die Läufer z.T. mehrfach auf- und wieder zusammengelötet werden bis Treffpunktlage und Streukreis wirklich passen. Dank eines hervorragenden Werksservice ist dies auch nach Jahren intensivster Waffennutzung oder nach Laborierungswechsel möglich.
In seiner Verkaufsausstellung präsentiert HEYM Muster der verschiedenen im Produktsortiment befindlichen Jagdwaffen. Allen ist eines gemeinsam: hervorragende Funktion, sauberste Passungen, sehr gutes Aussehen und … ja, und die Gewissheit, bei jedem Stück echte Handwerksarbeit in den Händen zu halten, die auch über Jahrzehnte nichts an Wertigkeit verliert und der man in besonderen Jagdsituationen auch sein Leben anvertrauen kann.
Wir verlassen die Firma HEYM nach einer zweistündigen Führung in bester Atmosphäre in der Gewissheit, dass unter Führung durch den Vorstand Herrn Thomas Wolkmann hier in Gleichamberg Thüringer Qualität von Weltruf entsteht, die das große Können deutscher Handwerkskunst überall würdig präsentiert und danken dafür, dass wir hier in Betriebsabläufe einer Firma schauen durften, die den hier arbeitenden 50 Spezialisten auch eine sichere Zukunft bietet. Ein besonderer Dank an Herrn Christian Kick, der dem Vizepräsidenten des Landesjagdverbandes Thüringen, Herrn Karl-Heinz Müller, dem Geschäftsführer Frank Herrmann und dem Mitarbeiter der Geschäftsstelle, Herrn Johannes Raue zu allen Fragen Rede und Antwort stand.